Donnerstag, 8. Oktober 2015

Japan - ein bisschen Mode, ein bisschen Wetter

Alles Geschmackssache ...
Wirklich begeistert hat mich kürzlich in meinem Japanurlaub, dass japanische junge Frauen überdurchschnittlich hübsch sind. Sehr, sehr viele sind es zumindest - meiner persönlichen Meinung nach.
Überdies haben die meisten Mädels eine kleine, zarte bis sogar dünne Statur und somit steht ihnen - zumal bei den Einkaufsmöglichkeiten einer Großstadt wie Ōsaka - eine grooooße Auswahl an Kleidung zur Verfügung. Nach meiner Beobachtung sind dort in diesem Jahr karierte Hemdblusenkleider ganz besonders "in". Viele tragen sie offen, z. B. mit Shorts oder Jeans darunter. Sehr gern wird dazu ein Hut auf den Kopf gesetzt und an die Füße kommen Sneakers oder auch andere Schuhe mit Plateau.

Na, wenn das mal kein Plateau ist ...!
Allerdings tragen unglaublich viele Japanerinnen auch High Heels - mit oder ohne Plateau - auch mal mehr und mal weniger gekonnt, aber auf jeden Fall möglichst high - und erwählen diese ggf. sogar zum touristischen Sightseeing in etwas unwegsamem Gelände. Mir ist es ein Rätsel, warum sich soooo viele diese Qual - insbesondere für längeres Laufen - antun.

Andererseits: Mögen sie in Extremform bei manchen Trägerinnen auch wie ein Klotz am Bein Fuß aussehen, lassen High Heels natürlich die Beine und somit das ganze Mädel länger wirken, und Japanerinnen sind ja von Natur aus nicht sonderlich groß gewachsen. Außerdem fährt der größte Teil der Männerwelt auf High Heels ab, insofern ist es mir eigentlich doch nicht wirklich ein so großes Rätsel. ;)

Individuelle Schal-Deko in für Japan auch typischem eleganten Beige - kontrastierend dazu bonbonfarbene Unterwäsche und ganz viel Schmuck (mit Klick aufs Bild wird es größer).

Viele Japanerinnen tragen auch gern mit englischem Text bedruckte Shirts. Für meinen Geschmack waren diese allerdings allesamt eher unspannend. Wir vermuteten jedoch, dass manch eine Trägerin gar nicht genau weiß, WAS genau auf ihrem Shirt steht - oder dass ihr Mut für einen anspruchsvolleren Text möglicherweise nicht ausgereicht hatte, denn der englischen Sprache mächtig waren wirklich nicht viele der Japaner, die uns über den Weg liefen.

Haarbänder und Haarschleifen - nur eine kleine Auswahl ... kawaii ...
Ansonsten scheint so ziemlich alles möglich: 
Avantgardistische, echt coole Mode, auch total ausgeflippte, verrückte Kombinationen (im Zentrum von Ōsaka geht wirklich so einiges!), ultrakurze Röckchen + Heels, niedliche, mädchenhafte Kleider, zu denen unbedingt Haarbänder, -schleifen, -blumen und Ähnliches getragen werden müssen (gern plus kleine Söckchen), auch "normale" Jeans-Looks gibt es, und natürlich sieht man in Japan viele Schuluniformen. Nahezu sämtliche Looks werden jedoch mit ziemlich starkem Make-Up kombiniert und in 99% aller Fälle mit Handtasche oder Rucksack. Ohne Tasche zieht praktisch kein weibliches Wesen los.

Schaufensterpuppen ... offenbar eher unmotiviert ... ;)
Leider, leider, leider habe ich nicht ein Foto einer außergewöhnlich gekleideten Japanerin mitgebracht. Einige Verkäuferinnen in Modeläden waren wirklich SEHR speziell angezogen (teilweise auch richtig gut, aber weiß Gott nicht immer ;) ) und auch auf der Straße sah ich einige spannend gestylte Personen, aber ich hab' mich nicht getraut, die Kamera draufzuhalten und Fragen ging in Ermangelung von Japanisch-Kenntnissen ja leider auch nicht. Schade.

Dafür hab' ich in Kyōto jede Menge Kimono-Trägerinnen gesehen. Hier gibt es viele Geschäfte, die Kimonos auch vermieten, und viele Japanerinnen tragen ihren Kimono in dieser altehrwürdigen Stadt besonders gern, erzählte mein Sohn.

Da zuvor schon manche Japanerin den großen blonden Europäer um ein Foto gebeten hatte, haben wir diese 4 Kimono-Trägerinnen dann auch einfach mal gefragt, ob sie sich mit ihm ablichten lassen. :)
Und ich habe mit meiner Kamera diese ältere Dame in modischen Sneakers "erwischt" - ist sie nicht einfach zauberhaft? :)

Um sich von der Masse abzuheben und weil vielen das europäische Aussehen gefällt, färben sich eine Menge Japaner übrigens die schwarzen Haare braun (chapatsu) oder gar blond bis hin zu bunt und mein Sohn meinte, nirgends gäbe es einen so großen Markt für farbige Kontaktlinsen wie in Japan. Aber auch hier habe ich keine eigenen Bild-Beispiele - tut mir echt Leid. :(

Dafür noch ein bisschen Informationsmaterial:

In Japan gilt gemeinhin immer noch blasse Haut als Schönheitsideal. Früher verband man mit dunkler Haut Armut, da nur einfache, draußen arbeitende Menschen braun waren. Wohlhabende Leute dagegen verbrachten die meiste Zeit inhäusig oder gingen nur mit Sonnenschirm nach draußen. So war der Klassenunterschied deutlich zu sehen.

In vielen Gegenden Japans ist eine helle Haut immer noch ein Zeichen von Wohlstand. Frau brät nicht in der Sonne und sehr viele laufen - natürlich auch aus Hitze- oder UV-Schutz-Gründen - mit Sonnenschirmen und langen Ärmeln herum.

Ich kam mir schon mit meinem ärmellosen Top ein wenig exotisch vor. 

Japanerinnen tragen so etwas offenbar ebenso selten wie Sonnenbrillen, was mich dann noch mehr verwunderte! Lieber schützen sie Augen + Gesicht mit einer breiten Hutkrempe oder besagtem Sonnenschirm. Ältere Japanerinnen tragen auch sehr häufig ein Sonnencap (Sonnenschild / Visor) - etwas , die ich mir auch fast selbst gekauft hätte. Viele tragen zudem eine Mundschutzmaske, die so gleich mindestens 2 Funktionen erfüllt (Viren- plus Sonnenschutz in einem) und manche (wenige) verhüllen sich praktisch komplett mit Mundschutz, Tüchern, langen Armstulpen und Co., was doch ziemlich seltsam aussieht.

Übrigens herrschen in Japan im Sommer ja ausgesprochen häufig Temperaturen um die 35 Grad, so dass wirklich so gut wie alle Gebäude und Bahnen über Klimaanlagen verfügen. Neben den bereits HIER erwähnten, an praktisch jeder Ecke vorhandenen Getränkeautomaten eine feine Sache.

Ein Teil des Klimaanlagen-Angebots in einem Elektromarkt
Ventilator (im Dauerbetrieb) in einer Bahn

Es gibt einfach überall etwas zu trinken. Im Hintergrund ein traditionell japanisches Haus.
Abschließend hab' ich noch ein top-modisches Selfie für Euch :) - in japanischen Hotels liegt für den Gast nämlich neben Kosmetikartikeln, Zahnbürste und Pantoffeln freundlicherweise auch noch hoteleigene Nachtwäsche bereit, jawohl. Muss ich Euch zeigen:


Die leichte Unschärfe und das gedeckte Licht sind selbstverständlich beabsichtigt. Und damit es nicht gar so schlimm endet:

Natürlich dürfen die klassischen Designer mit ihren Geschäften in einer japanischen Großstadt nicht fehlen und es finden sich viele große Namen dort, deren Produkte allesamt nicht in meine Gehaltsklasse passen und deren Geschäfte ich somit auch noch nie betreten habe. Ich konnte auch nicht wirklich viel gucken, denn der Sohn war alles andere als interessiert an diesen Läden. Den Schaufenster-Stil von DOLCE & GABBANA fand ich aber zum Beispiel durchaus ziemlich cool.

Die pinkfarbene Fransen-Tasche unten links von Samantha Tavasa hätt' ich ja gerne mitgenommen.

Kommentare:

  1. Danke, Danke, Danke. So interessant, da ja ganz andere Kultur. Super das Du Dir die Mühe machst und Japan erklärst. Tolle Fotos. Ich hätte bei meinem Haus bestimmt so einen Automaten. Ich kann ihnen nicht widerstehen. und die ältere Dame in den Sneakern ist wirklich klasse. Und Dein Nachthemd ;)
    Liebe Grüße Tina

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  2. danke für deinen schönen bunten reisebericht! ich musste sofort am LOST IN TRANSLATION denken. LG bärbel ☼

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  3. Hallo Gunda!
    Finde die Mode interessant, und es scheint als wäre in Japan alles bunter und vielfältiger in dem Bereich :) Um die gute Klimatisierung beneide ich die Japaner ein wenig. Bei uns hier sind die wenigsten Geschäfte klimatisiert, auch nicht bei 35° Hitze ,die seit einigen Sommern bei uns durchaus üblich sind.

    Wegen dem anderen schreibe ich dir gerne am Wochenende, Danke für das Angebot <3
    Liebe Grüße und noch einen angenehmen Abend :)

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  4. Danke für diesen tollen Bericht . Der gefällt mir wirklich sehr . Viel informatives was ich noch gar nicht wusste oder von dem ich bisher noch gar nicht gehört habe. Das mit den Größen wusste ich allerdings schon . Denn in meinem ersten Japanischen Nähbuch habe ich sehr schnell beim nachmessen fest gestellt , das mir eigentlich gar nichts davon als Original-Schnitt(Muster )passen wird
    LG Heidi

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  5. Toll liebe Gunde. Ich bin ganz fasziniert. Das ist ein schöner Einblick und sehr interessant. Du siehst süß aus in deinem Nachthemd :-)

    LG Sabine

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  6. Ich habe schon auf deinen modebericht gewartet! Es hat sich gelohnt! Ein sehr toller Beitrag liebe Gunda! DANKE! :)
    LG Claudia

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  7. Ich sage auch mal danke für Deine Berichte und freue mich, auf so unterhaltsame Weise mehr über Japan zu erfahren. Ist ja doch nicht so das typische Reiseziel, aber faszinierend allemal und ein bisschen was über das Alltagsleben zu lernen ist nie wech.
    Die grummeligen Schaufensterpuppen sind großartig, genau wie die alte Frau mit den Turnschuhen. Und die hoteleigene Nachtwäsche sowieso ;-). Die Kimonos finde ich wunderschön, ganz im Gegensatz zu den Plateauschuhen. Ich mag ja eigentlich Plateaus, aber DAS ist dann doch ein bisschen zu krass. Bin mal gespannt, was Töchterlein so anschleppt...
    Liebe Grüße
    Fran

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  8. Danke auch von meiner seite für deine persönlichen berichte. Sehr interessant. Lg

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  9. Danke auch von mir! Das hast Du wunderbar beschrieben. Ich kann mir auch ohne Bilder die modische Vielfalt richtig gut vorstellen. Ganz bezaubernd finde ich die Kimonos, herrliche Stoffe und Muster sind das und natürlich sehen die zierlichen Japanerinnen darin aus wie kostbare Schmetterlinge.
    Lieben Gruß
    Sabine

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  10. Liebe Gunda,
    ich bin ganz fasziniert von deinem Bericht. Solche Modetrends aus anderen Kulturen sind echt spannend ...! Ich kann allerdings auch nicht verstehen, warum sie sich die hübschen Japanerinnen in so hohen Schuhen quälen - vielleicht gehen aber ja auch mit der Übung die Schmerzen weg ;-) Ich weiß auch nicht - jedem das seine :) Die Kimonos finde ich wunderschön ...Danke dir für die vielen Eindrücke. Liebe Grüße Anke ..!

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  11. Liebe Gunda, ich hatte ja auch mal so richtig krass hohe Schuhe. Grazil war nicht, aber ich fand es toll. So eine Art Raver-Phase war das damals. Und irgendwie gefallen mir die Klötze immer noch *lach*
    Die Omi ist wirklich zuckersüß und die weiß, dass man sich mit Schuhe nicht quälen sollte.
    Viele Grüße, Ela

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  12. Huhu Gunda! Ganz toller Beitrag - wunderbar geschrieben und die Fotos habe ich förmlich verschlungen. Kimonos und Plateauschuhe, gleich zwei meiner Lieblingsdinge auf dieser Welt in einem Beitrag. Und noch viel mehr Spannendes. Das Selfie im Nachtgewand war dann der krönende Abschluss. Das hat meine Kaffeepause sehr versüßt, vielen Dank dafür! Herzliche Grüße sendet Edna Mo

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